Forschung

(english)

Ma-ma-Märchenprinz: Kulturelle Bildungsarbeit im ländlichen Raum

Untersuchung personenbezogener, sozialraumbezogener und angebotsbezogener Einflussfaktoren

Inhalt (vor-Corona Version)

Das Projekt Ma-ma-Märchenprinz untersucht in drei aufeinander aufbauenden Studien personenbezogene (Wie ist die kulturelle Wertschätzung?), sozialraumbezogene (Wie ist das Kulturangebot im ländlichen Raum?) und angebotsbezogene (Gibt es spezifische ländliche Merkmale für Kulturaktivität?)  Einflussfaktoren auf kulturelle Praxis im ländlichen Raum. In einer Angebotsstudie (1) wird untersucht, wie sich Inhalte, Gegenstände und die Vermittlung kultureller Bildung im ländlichen Raum darstellen. In einer Fall-Kontroll Studie (2) wird untersucht, welche prädeterminierenden Kontextbedingungen und personalen Einflussfaktoren die Teilnahme an Angebote kultureller Bildung beeinflussen. Schließlich wird in zwei Vertiefungsstudien (3) untersucht, inwiefern sich Nutzer/innen kultureller Bildungsangebote in ihrem subjektiven Erleben, zum Beispiel bezüglich ästhetischer Erfahrung, in städtischen vs. ländlichen Regionen unterscheiden.

Im Detail

Kulturelle Bildung eröffnet Chancen für künstlerisch-ästhetische Erfahrungen, die wesentlich sind für eine umfassende Bildung des Menschen und für die Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben. In der Entwicklung unterschiedlicher Lebensräume in der Bundesrepublik (aber auch international) wurde nicht nur hinsichtlich demographischer und sozioökonomischer Kontextbedingungen, sondern auch hinsichtlich Bildungsmöglichkeiten und Möglichkeiten zur kulturellen Teilhabe eine fortschreitende „Peripherisierung“ ländlicher Räume bis hin zur befürchteten „Verödung“ von der Raumforschung formuliert.

Vor diesem Hintergrund hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen Forschungsförderungsschwerpunkt eingerichtet, der sich den Möglichkeiten kultureller Bildung in ländlichen Räumen widmet. Das Projekt „Ma-ma-Märchenprinz“: Kulturelle Bildungsarbeit im ländlichen Raum stellt sich vor diesem Hintergrund folgende Fragen:

Welche kulturellen Bildungsangebote existieren im ländlichen Raum? Wer nimmt an den Angeboten teil? Was sind förderliche Bedingungen für eine Teilhabe an Kulturangeboten? Wie wird „Kultur“ gelernt, das heißt welche formellen und informellen Formen werden wie genutzt? Gibt es in Zeiten des Internets eine spezifisch „ländliche“ Art zur Nutzung kultureller Bildungsangebote?

Für die Beantwortung wird in einer Angebotsstudie das kulturelle Bildungsangebot in zwei ländlichen Kreisen in Bayern erfasst und sozialgeographisch analysiert: Der Landkreis Dachau (im Einzugsbereich der Metropole München) wird verglichen mit dem Landkreis Cham (peripher gelegen im Bayerischen Wald).

Die Nutzer/innen ländlicher Bildungsangebote werden in einem Fall-Kontroll-Design befragt und mit Kontrollpersonen aus der allgemeinen Bevölkerung in diesen Kreisen verglichen. Durch einen Vergleich von kulturengagierten Personen mit anderen gleichaltrigen Personen gleichen Wohnorts und gleichen Geschlechts können die Gründe für kulturelles Engagement analysiert werden. Daraus können Konsequenzen für den weiteren Bedarf an kulturellen Angeboten abgeleitet werden

Ergänzend werden in zwei Vertiefungsstudien (Chorgesang / Bildende Künste) Teilnehmer/innen an Bildungsangeboten aus Metropolen mit solchen aus ländlichen Räumen auf spezifische Seh-/Hör-/Teilhabe-Motive und -Gewohnheiten mithilfe detaillierter psychologischer Erhebungsverfahren während ihrer kulturellen Aktivitäten untersucht. Es wird analysiert, inwiefern es regionale Unterschiede im ästhetischen Erleben und der Auswahl kultureller Angebote aufgrund unterschiedlicher Einflüsse in der Folge regional präkonfigurierter Angebote gibt.   Die Studien werden durch ein interdisziplinär zusammengesetztes Team aus Kunstdidaktik, Psychologie, Public Health Forschung und Lehr-Lernforschung in Kooperation mit regionalen kulturellen Akteur/innen konzipiert und durchgeführt, und die erarbeiteten Ergebnisse werden an die Akteur/innen kultureller Bildungsarbeit in den untersuchten peripheren Räumen rückgemeldet.

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